Es war ein Debakel sondergleichen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Bei der WM in Russland kam das Team von Joachim Löw nicht über die Vorrunde hinaus. Das hatte es aus Sicht des viermaligen Weltmeisters noch nie gegeben. Was die Schmach noch größer macht: Deutschland flog als Titelverteidiger aus dem Turnier. Zwei Monate nach der Blamage meldete sich endlich der Bundestrainer zu Wort. Auf einer Pressekonferenz am 29. August erklärte Löw, was er falsch gemacht hat und was er in Zukunft anders machen will.

Nach dem vorzeitigen WM-Aus war die öffentliche Schelte groß. Es gab keine Facette an der deutschen Nationalmannschaft, die Experten und Nicht-Experten nicht kritisch unter die Lupe nahmen. Mal wurde die Spielweise kritisiert, dann bemängelte man einzelne Spieler. Selbstverständlich stand auch die Führungsriege in der Kritik – angefangen von Manager Oliver Bierhoff bis hin zu Bundestrainer Joachim Löw. Vor allem aber hatte man in Mezut Özil und Ilkay Gündogan zwei Sündenböcke ausgemacht. Die beiden hatten sich kurz vor der WM mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen, sich mit dem Politiker fotografieren und die Bilder später veröffentlichen lassen. Das kam nicht gut an – weder in der Öffentlichkeit noch hinter den Kulissen der Nationalmannschaft.

Viele Meinungen über die Gründe des schwachen Auftretens der Nationalmannscha

ft hatte es also nach dem WM-Debakel gegeben. Einer jedoch schwieg beharrlich zum Thema: Joachim Löw. Ende August brach der Bundestrainer endlich sein Schweigen. Auf einer Pressekonferenz in München zog Löw Bilanz. Er räumte ein, Fehler gemacht zu haben. Unter anderem habe er auf eine falsche Spielweise gesetzt. Er hätte die Mannschaft allzu beharrlich auf schönen Ballbesitz-Fußball eingestellt, ohne auf Sicherheit zu setzen. Für die Zukunft hat Löw eine flexiblere Spielweise angekündigt. Zudem will der Bundestrainer mit einem veränderten Kader auftrumpfen. Nicht nur hat er neue Spieler ins Team aufgenommen, er hat sich auch von einigen Stammspielern verabschiedet. Vor allem im Mittelfeld wolle er für frischen Wind sorgen, sagte er, weshalb er Sami Khedira aus dem Kader strich.