Joachim Löw: Taktik war fast schon arrogant

Wochen nach dem spektakulären Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft in Russland hat nun auch Bundestrainer Joachim Löw Stellung bezogen. In einer langerwarteten Pressekonferenz erklärte sich der Coach, nachdem er schon kurz nach dem Debakel seiner Mannschaft klargestellt hatte: Ich mache weiter!

Ballbesitz nicht das richtige Mittel

Unter anderem entschuldigte sich Joachim Löw auch für seine Taktik während der WM. Als amtierender Weltmeister wurde Deutschland im ersten Gruppenspiel von Mexiko (0:1) überrumpelt und wirkte über weite Strecken konfus und hilflos. Auch gegen Schweden konnte nur ein Traumtor von Toni Kroos die Nationalmannschaft noch vor einer frühzeitigen Blamage retten, welche jedoch schon im Spiel gegen Südkorea (0:2) Realität wurde. Noch nie war eine deutsche Nationalmannschaft während einer WM schlechter als die Mannschaft von Jogi Löw 2018. Einen Grund dafür sieht der Bundescoach auch in seiner Vorbereitung und seiner Taktik, welche er selbst als “fast arrogant” bezeichnete. Löw wollte seine Truppe vor allem durch dominanten Ballbesitzfußball erneut an die Spitze führen, fiel damit aber schmerzhaft auf die Nase.

Rassismusvorwürfe von Özil übertrieben

Doch auch für andere Akteure fand Löw klare Worte. So bezeichnete der Trainer die Rassismusvorwürfe seines ehemaligen Schützlings Mesut Özil als überzogen und falsch. So habe es, laut Löw, nie Rassismus innerhalb der DFB-Mannschaft gegeben. Zudem sei das Foto von Özil zusammen mit dem türksichen Präsidenten Erdogan nur wenig hilfreich gewesen. Generell sei der Bundestrainer von Özil “sehr enttäuscht”, wie er sagte. Der ehemalige Nationalspieler habe nach seinem Rücktritt keinen einzigen Anruf von Löw angenommen und sich auch jeder Aussprache verweigert. Über den Rücktritt selbst sei Löw auch nur von Özils Berater informiert worden, nur wenige Stunden vor der Presse. “Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass er mich persönlich anruft und über diesen Schritt informiert. Im ersten Moment war eine Enttäuschung in mir, dass ich es nicht persönlich von ihm erfahren habe”, betonte Löw.